Herunterladen als PDF: [Gebet für Berlin – November 2015]

Good News: Flüchtlings-Initiativen

In diesem Jahr wurden in Berlin bis Ende September bereits 29.000 Flüchtlinge registriert; dazu kommt eine unbekannte Zahl nicht registrierter. Bis Jahresende können es mehr als 60.000 werden. So frustrierend die Unbeweglichkeit der Behörden sein kann, so begeisternd ist die Innovationskraft von vielen – oft jungen – Berlinern. So wird die ehrenamtliche Arbeit von etwa 20.000 Berlinern durch den volunteer-planner.org organisiert. Fluechtlinge-willkommen.de/ bringt Menschen, die Zimmer anbieten, mit Flüchtlingen in Kontakt, die Zimmer suchen. Die Kiron.University, von zwei Berliner Studenten gegründet, ist die weltweit erste Universität für Flüchtlinge. Knapp 1.000 Flüchtlinge haben im Oktober mit dem Online-Studium begonnen. Welcomedinnerberlin.de ermöglicht es Einzelnen, WGs und Familien, einen oder mehrere Flüchtlinge zum Essen einzuladen und kennenzulernen. Zehntausende von Berlinern spenden oder engagieren sich ehrenamtlich, um Menschen, die oft alles verloren haben, das Ankommen in Berlin zu erleichtern.

Gebet:

  • Dank für die große Zahl Engagierter und alle kreativen Lösungsansätze
  • Bitte um nachhaltige Integrations-Konzepte

Good News: Wirtschaft wächst

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hält an ihrer Wachstumsprognose von 1,9 Prozent für das laufende Jahr fest, sagte ihr Vizechef Christian Wiesenhütter. Ausschlaggebend für den Aufschwung ist unter anderem die wachsende Touristenzahl: Im ersten Halbjahr 13,8 Millionen Übernachtungen. Erfreulich ist auch die Entwicklung im Handwerk. Die Betriebe hätten seit dem Frühjahr einen regelrechten Konjunkturschub erlebt. Niemand könne derzeit seriös bewerten, wie sich die Flüchtlingsproblematik entwickeln werde. Die IHK geht nach eigenen Berechnungen davon aus, dass im kommenden Jahr – nach ihrer Anerkennung – etwa 3.000 syrische Flüchtlinge mit guten Qualifikationen auf den Berliner Arbeitsmarkt kommen. Für sie wie auch für die weit größere Zahl der geringer Qualifizierten müsse das Ziel Nummer eins der Spracherwerb sein. Gemeinsam mit der Arbeitsagentur werde man Instrumente zur Integration entwickeln, die aber allen Arbeitsuchenden zur Verfügung stehen.

Gebet:

  • Dank für die positive Entwicklung
  • Sozial gerechter Umgang damit

Registrierung der Flüchtlinge

Durch die Verlegung der Erstregistrierung der Flüchtlinge an die Bundesallee hat sich die Lage am LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) in Moabit entspannt. Es wurde ein Warteraum in einem Gebäude eingerichtet; weitere Zelte sollen aufgebaut werden. Auch Ärzte der Charité sollen nun die Geflüchteten betreuen – statt wie bisher nur Ehrenamtliche. Das ist eine erhebliche Verbesserung im Vergleich mit den bisherigen Zuständen. Trotzdem kommt es nach wie vor dazu, dass Flüchtlinge auf der Straße schlafen müssen. Etwa 10.000 von ihnen sind noch nicht registriert worden. Und der Zustrom hält an.

Gebet:

  • Dank für die bisherigen Verbesserungen
  • Gute, effiziente Lösungen, um Flüchtlinge gut registrieren und unterbringen zu können

Alexanderplatz

By Christian Wolf, www.c-w-design.de (Own work) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Gegenüber den Vorjahren ist die Zahl der Gewalttaten auf dem Alexanderplatz in den ersten fünf Monaten dieses Jahres leicht zurückgegangen. Leider bleibt der Platz dennoch einer der gefährlichsten Berlins. Im Oktober wäre es beinah wieder zu einem Mord gekommen, als ein 17 Jahre alter Flüchtling aus dem Libanon ein angepöbeltes Mädchen verteidigen wollte. Er wurde daraufhin niedergestochen und schwer verletzt.

Der Alexanderplatz ist stark frequentiert. Täglich überqueren ihn 350.000 Passanten. Der Bürgerbeteiligungs-Prozess des Senats für die Neugestaltung der alten Berliner Mitte ist beendet. Es kristallisiert sich ein Konsens für den Erhalt eines öffentlichen Raumes inkl. Park heraus. Umstritten ist noch, ob und wie stark eine Bebauung stattfindet. Das Ergebnis wird dem Abgeordnetenhaus Anfang 2016 vorgelegt. Wenn sich allerdings die Interessen von Investoren zur Bebauung durchsetzen, entstünde in der Bevölkerung eine große Enttäuschung über „die da oben“. Das „Menschen-Museum“ mit den Plastinaten unter dem Fernsehturm wird von den Anwohnern und dem Bezirk Mitte abgelehnt. Man wünscht sich eine Menschen orientierte, nicht kommerzielle Nutzung im Sockelgebäude. Es gibt die Idee, dort einen christlichen Begegnungs- und Gebetsraum aufzubauen.

Gebet:

  • Dank für die Verringerung der Gewalt und weitere Befriedung des Platzes
  • Umsetzung der Bürgerwünsche für eine Menschen orientierte Neugestaltung
  • Klarheit, Ressourcen und offene Türen für eine mögliche christliche Nutzung

Willkommens-Klassen

Für Flüchtlingskinder gilt die Schulpflicht. Deren hohe Zahl stellt die Schulverwaltung vor große Aufgaben. In Berlin werden Flüchtlingskinder mit anderen Kindern, die kein Deutsch sprechen, in Willkommens-Klassen unterrichtet – kleine Klassen, wo eine Lehrerin sich um ca. 12 Schüler kümmert. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl dieser Klassen verdreifacht. Nun müssen in immer rascherer Folge neue Klassen eingerichtet werden, die auch neue Lehrer brauchen. Insgesamt sind 354 Stellen dafür vorgesehenen. Die Lehrer werden mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Durch Kriegs- oder Fluchterlebnisse sind viele Kinder traumatisiert. Lehrer in Willkommens-Klassen müssen eine spezielle Ausbildung haben. Häufig werden jetzt aber auch Quereinsteiger eingesetzt, die passende Sprachkenntnisse haben. Auch Privatschulen wollen jetzt Willkommensklassen einrichten, unter anderem Schulen der evangelischen und katholischen Kirche und des Christburg-Campus.

Gebet:

  • Dass sich die neuen Schüler schnell einleben und gute Freunde finden
  • Belastungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen für alle Lehrkräfte
  • Dass genug Lehrer/innen gefunden werden, die den steigenden Bedarf abdecken können

Berlin wächst

Nicht nur durch die steigenden Flüchtlingszahlen wächst Berlin rasant. Bis zum Jahr 2030 könnten bis zu einer halben Million Menschen nach Berlin ziehen, erwartet der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Deswegen muss die Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, medizinische Versorgung usw.) ausgebaut werden. Eine besondere Herausforderung wird es sein, genug Wohnraum zu errichten. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel plant deshalb, schon im kommenden Jahr 15.000 Wohnungen in Leichtbauweise zu errichten. Probleme gibt es immer noch in der Abstimmung zwischen dem Bund und dem Land Berlin. Berlin möchte bundeseigene Wohnungen in der Stadt übernehmen. Dem Bund gehören noch viele Grundstücke in Berlin, die der Senat gerne preiswert erwerben möchte – der Bund möchte aber lieber auf dem Markt einen hohen Preis erzielen.

Gebet:

  • Rasche Einigung zwischen Bund und Land in Bezug auf Immobilien
  • Kreative Lösungen im Bereich schnelles Bauen
  • Dass es nicht zu Verteilungskämpfen um Wohnraum zwischen den ärmeren Bevölkerungsschichten und Flüchtlingen kommt

Semesterstart

Im Oktober startete bereits das Wintersemester an den Universitäten und Hochschulen Berlins. Nach dem Rekordjahrgang vor einem Jahr bleiben die Studierendenzahlen hoch und viele junge Menschen kommen neu in die Stadt. Ein weltweiter Vergleich der Fixkosten für Studenten in den großen Uni-Metropolen ergab, dass vor allem aufgrund der fehlenden Studiengebühren Berlin als günstigste Stadt auf Platz 1 liegt. Doch bringt der Anstieg der Studierendenzahlen immer die Herausforderung der Unterbringung mit sich. Der Wohnungsmarkt für Studierende in Berlin ist sehr schwierig und oftmals müssen Übergangslösungen in Kauf genommen werden. Innerhalb von Deutschland liegt Berlin mit dem Preis für ein WG-Zimmer von 371 Euro bereits auf Platz 8 (Mittelwert 304 Euro). Auch an den Universitäten wird auf die hohen Flüchtlingszahlen reagiert. Zum Beispiel gibt es das In(2)TU Berlin-Programm oder Welcome@FU. Diese Programme bieten Flüchtlingen Beratung und Mentoring, sowie die kostenlose Teilnahme an Seminaren/Vorlesungen und studienvorbereitenden Sprachkursen. Außerdem ist die Neuorientierung der Erstsemester auch immer eine Gelegenheit, Studierende mit dem Evangelium zu erreichen. Es gibt mehrere christliche Studierendengruppen und Gemeinden, die gerade am Anfang dieses Semesters auf dem Campus aktiv sind.

Gebet:

  • Lösungen für die Wohnungsfrage und erleichterte Ankunft für Studierende in der Stadt
  • Dank für schon gestartete Programme für Flüchtlinge und Bitte um deren Ausbau auch an weiteren Hochschulen
  • Weisheit, offene Türen und Herzen für alle Christen, die auf dem Campus aktiv sind

Termine

  • 11.11., 18 Uhr: Politisches Stadtgebet vor dem Roten Rathaus
  • 14.11., 14.30 Uhr: Gebetstag für verfolgte Christen, EFG Tempelhofer Damm 133-137

Photo: By Christian Wolf, http://www.c-w-design.de (Own work) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons