Herunterladen als PDF Gebet für Berlin – April 2012
Good News: Mehr Gewerbe in Berlin
Im Jahr 2011 wurden in Berlin so viele neue Gewerbe angemeldet wie schon lange nicht mehr: 48.700 – der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Vor allem im Baugewerbe boomt es. Dem gegenüber standen 33.800 Inhaber, die ihr Gewerbe aufgegeben haben (oft Handel und Autowerkstätten, was auch am Rückgang der Zahl der PKWs in Berlin liegt).  Bleiben immerhin noch 14.900 mehr Gewerbe als noch 2010. Ein hoffnungsvolles Zeichen in einer
Stadt mit einer immer noch hohen Arbeitslosigkeit. Dazu kommen 1.443 neue Betriebe, die 2011 nach Berlin zogen (7% mehr als 2010), wobei allerdings auch 1.232 abwanderten (1,9% weniger als 2010).
Danken wir Gott für diese gute Entwicklung.

Senator für Stadtentwicklung und Umwelt: Michael Müller
Der 47jährige Michael Müller (SPD) gilt als enger Vertrauter von Klaus Wowereit. Seit 2004 ist er Landesvorsitzender der SPD. Nun ist er auch noch als Senator gefordert. In seinem Ressort muss er sich um viele brisante Themen kümmern wie zum Beispiel den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg, Planungen zur Nachnutzung des Flughafens Tegel, steigende Mieten und Landschaftsplanungen. Die Nachnutzung des Flughafens Tegel ist ein wichtiges
Projekt für die Stadt. Angedacht ist im Moment, das Gelände als Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien zu nutzen. Die Flächen auf und zwischen den Landebahnen könnten als Test- und Experimentierraum genutzt werden, meinte Müller in einem Interview. Bewerbungen dafür gäbe es bereits.Um die Forschung und Hochtechnologie herum sollen sich passende Gewerbe ansiedeln. Der Wunsch ist, dass sich hier eine Industriezone
entwickelt und ein moderner Technologiepark entsteht.

Gebet:

  •  Weisheit und Kraft für die vielfältigen Aufgaben des neuen Senators
  •  Dass erkannt wird, welche Art der Nachnutzung des Flughafens Tegel der Stadt neue       Beschäftigungsimpulse versetzen kann
  •  Für eine gute Zusammenarbeit mit den Senatskollegen

Probleme der Jüdischen Gemeinde
In der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt es große Spannungen, die auch nach dem klaren Ausgang der Gemeindewahlen, die nach Unregelmäßigkeiten wiederholt werden mussten, nicht beseitigt sind. Die ehemalige Vorsitzende Lala Süßkind wurde abgelöst von Gideon Joffe. Mit 11.500 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde die größte in Deutschland. Sie verbraucht viel Kraft mit internen Auseinandersetzungen zwischen zwei unterschiedlichen Fraktionen. Durch die Zuwanderung von russischstämmigen Juden hat sich seit Jahren eine Verschiebung der Machtverhältnisse ergeben, denn 80 % der Gemeindemitglieder stammen inzwischen aus
Russland. Die alteingesessenen jüdischen Familien haben ihren einstigen Einfluss verloren. Der Gemeinde droht die Spaltung wegen der unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten  der Fraktionen. Zudem ist sie noch überschuldet. Der Senat bezuschusst die Gemeinde mit 9,3 Millionen Euro pro Jahr für Personal, religiöses Leben, Sicherheit und Betriebsrenten für die Gemeindemitarbeiter. Stark überhöhte Betriebsrenten sind ein großes Hindernis zur Sanierung der Finanzen. Der Senat ist nur dann noch bereit finanziell zu helfen, wenn ein schlüssiges Sanierungskonzept des Haushalts vorgelegt wird. Die Gemeinde steht vor großen Reformaufgaben.

Gebet:

  •  Mut für die notwendigen Reformen der Gemeinde einschließlich der Finanzen
  •  Dass die zerstrittenen Parteien sich versöhnen und gemeinsam einen Weg finden
  •  Segen und Schutz für alle jüdischen Mitbürger dieser Stadt

Berlin wird Deutschlands Zentrum der Wissenschaft  
Im Bereich Wissenschaft und Forschung gab es in den vergangenen Jahren in Berlin einen enormen Aufschwung. War bis jetzt München das bedeutendste Zentrum für Wissenschaft und Forschung schiebt sich Berlin nun auf den ersten Rang. Die Zahl der Menschen, die in der Hauptstadt forschen, steigt ständig an  – im Vergleich doppelt so schnell wie im Rest des Landes. Die „Stadt der Wissenschaft Adlershof“ ist eine Berliner Erfolgsgeschichte. Dort haben sich 17 wissenschaftliche Einrichtungen und 866 Unternehmen seit 1991 angesiedelt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die für wissenschaftliche Projekte Fördergelder bereitstellt, hat in den Jahren 2008 bis 2010 die meisten Fördergelder für Projekte in Berlin ausgegeben. Auch viele Top-Wissenschaftler werden von Berlin angezogen. Hier ist es leichter, große Forschergruppen aus mehreren Disziplinen aufzubauen, als etwa in den USA.

Gebet:

  •  Dank für alle Förderung von Wissenschaft und Forschung in dieser Stadt
  •  viele lebensfördernde Entdeckungen
  •  dass die Politiker erkennen, wie sie gute Rahmenbedingungen schaffen können

Steigende Mieten – Gentrifizierung
Immer mehr Häuser und ganze Straßenzüge in Berliner Stadtvierteln wurden saniert, zuerst in Teilen von Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg, inzwischen auch immer mehr etwa in Friedrichshain und Neukölln. Äußerlich eigentlich ein erfreulicher Vorgang der Stadterneuerung: Schöne Hausfassaden und hochwertige Wohnungen entstehen. Viele jedoch beachten nicht die sozialen Verwerfungen, die das zur Folge hat. Indem Investoren diese Wohnungen an wohlhabendere Eigentümer und Mieter vergeben,  werden gleichzeitig Gruppen mit niedrigerem Sozialstatus ersetzt oder verdrängt. Die früheren Bewohner können die Mieten schlicht nicht mehr bezahlen und müssen in „ärmere“ Stadtteile ziehen. Diesen Vorgang nennt man Gentrifizierung.
In Berlin wird das Problem in den letzten Jahren immer bedrängender. Das bedeutet sozialen Zündstoff, und zwar längst nicht mehr nur aus „linker“ Sicht. Das freie Spiel der Kräfte des Immobilienmarkts und die soziale Verantwortung für die hohe Zahl ärmerer Einwohner, besonders Familien, müssen gegeneinander abgewogen werden. Der neue rot-schwarze Senat will mit dem Bau günstiger Wohnungen gegensteuern. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Zahl erweist sich allerdings schon jetzt als zu niedrig.
Drei Viertel der Mieter in der Stadt sehen zwar keine Gefahr in der Gentrifizierung. Allerdings sagen 145.000 Menschen, dass sie sich ihre Wohnung und das Leben in ihrem Stadtteil nicht mehr leisten können (repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung). Mieter mit Migrationshintergrund sind häufiger von Mieterhöhungen betroffen. Drei Viertel der Mieter mit türkischem Hintergrund mussten nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren Mieterhöhungen hinnehmen. Bei den anderen Mietern waren es nur 20 Prozent. In den „Szene-Vierteln“ Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg haben auch viele Angst davor, sich das Wohnen dort nicht mehr leisten zu können. (Der Tagesspiegel 30.03.2012)

Gebet:

  •  für eine Politik des Senats mit Weitblick und sozialem Maß
  •  vertretbare Lösungen für die betroffenen Mieter, besonders Familien
  •  friedlicher Dialog über diese Probleme statt gewalttätiger Auseinandersetzung

Vorbereitungen auf den 1. Mai
Der 1. Mai naht. Die nächste Gebetsmail wird noch rechtzeitig aktuelle Anliegen nennen, aber wir bitten jetzt schon um Gebet. Es wird wieder eine Reihe von Demonstrationen geben. Die in den Vorjahren besonders krawallträchtige „Revolutionäre 18-Uhr-Demo“ hat eine Route von Kreuzberg nach Mitte bis zum Brandenburger Tor angemeldet; darum wird es sicher juristische Auseinandersetzungen geben.
Gemeinsam für Berlin lädt wieder für 12 Uhr zu einem Gebetsgottesdienst für den Frieden ein, der als Teil des Myfests wahrscheinlich am Mariannenplatz stattfindet. Thema ist dieses Jahr „Mach(t) mal anders“ unter Bezug auf die Jahreslosung von Gottes Kraft in den Schwachen.

Gebet:

  •  Weisheit, damit die Demo-Routen für alle annehmbar geregelt werden können  
  • Gelingende Vorbereitung für den Gottesdienst und Klärung der Bühnenfrage
  •  ein friedlicher Maifeiertag

Termine
Gedenken an Dietrich Bonhoeffer
Oster-Montag, 9.4.12 um 11:15 Uhr, Dorotheenstädtischer Friedhof, Chausseestr. 126 (Ecke Tiekstraße) S Nordbahnhof oder U Naturkundemuseum
Es wird zum Todestag ein Gedenken und eine kleine Ansprache geben. Das Ehrengrab 140 von Dietrich Bonhoeffer und den anderen Widerstandskämpfern befindet  sich vom Eingang eine Strecke entfernt.

28. April, 10:30-16:00 Uhr, Marktstr. 1, 10317 Berlin (JMEM Berlin):  Gebets- und Fastentag für Nordkorea, Infos unter: info@ywamberlin.org

1. Mai, Kreuzberg: Gebetsgottesdienst 12-13 Uhr, voraussichtlich Mariannenplatz, (siehe oben)