Herunterladen als PDF: [Gebet für Berlin – September 2011]

Good News: Bordell vorerst verhindert

Im Umfeld der für das Sexgewerbe bekannten Gegend  Potsdamer-/Ecke Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg gibt es seit Jahren verstärkt Versuche, neue bordellartige Gewerbe zu etablieren. Einige Versuche scheiterten an der Unnachgiebigkeit der Hauseigentümer, andere wurden vom Gewerbeamt kurzerhand versiegelt. Direkt am Straßenstrich gibt es bereits ein Sexkaufhaus, dessen Videokabinen für Sexgeschäfte genutzt werden. Im gleichen Haus möchte ein Unternehmer ein Großbordell eröffnen. Doch das Verwaltungsgericht Berlin hat vor einem Jahr entschieden, dass das geplante »Laufhaus« nicht gebaut werden darf.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass die Lebensqualität der Anwohner bereits durch den ausgedehnten Straßenstrich erheblich beeinträchtigt werde und den Anwohnern und Gewerbetreibenden eine Ausweitung nicht zumutbar sei. Sie bestätigten mit ihrem Urteil die Ansicht des Bezirksamtes von Tempelhof-Schöneberg, das eine Baugenehmigung abgelehnt hatte. Nun hat der Kläger gegen das Verbot Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt.

Gebet

  • Dank für das konsequente Durchgreifen der Behörden. Dank auch für Christen, die sich bei »Neustart« und »Alabaster Jar« für das Wohl der sich prostituierenden Frauen engagieren
  • Stichhaltige Argumente, die es dem Gericht ermöglichen, das geplante Großbordell endgültig zu untersagen
  • Konsequentes Durchgreifen der Polizei gegen ausbeuterische Verhältnisse und jede Form von Zwangsprostitution

Neues Auswahlverfahren

Eigentlich hatte der neue Polizeipräsident schon festgestanden, dann aber wurde von einem unterlegenen Kandidaten gegen das Auswahlverfahren geklagt. Das Verwaltungsgericht gab dem Kläger Recht. Innensenator Körting gab überraschend Versäumnisse bei der Besetzung des Postens zu. Jetzt muss das ganze Besetzungsverfahren von vorn losgehen. Insbesondere müssen jetzt Auswahlgespräche organisiert werden.

Ob Körting noch vor der Wahl am 18. September einen neuen Polizeipräsidenten ernennen kann, bleibt fraglich. Greifen wir daher unser Gebet vom Juli

für die Besetzung dieses so wichtigen Postens in der Stadt erneut auf. Es tut sich was!

Gebet:

  • die Arbeit der Auswahlkommission
  • dass Gottes Geist geeignete Menschen ermutigt, sich zu bewerben
  • der/die richtige Nachfolger/in für die Stadt, die Menschen und in Gottes Augen

Theater für, mit und von Migranten

Das Theater Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg gilt als Kristallisationspunkt für Künstler, die Immigranten sind oder Migrationshintergrund haben. Derzeit erregt es mit seinem Programm und den Thematiken deutschlandweit große Aufmerksamkeit – durch renommierte Theaterpreise und eine ungewöhnlich hohe Publikumsauslastung von über  90%.

Nurkan Erpulat, türkischstämmiger Regisseur, inszenierte dort 2010 sein über Nacht bekannt gewordenes  »Migrationsstück« Verrücktes Blut, das ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Integrationsdebatte ist. Es schafft im Theater einen Raum zur Auseinandersetzung, einen künstlerischen Dialog, der offenbar den Nerv der Zeit und der Stadt trifft.  Kulturelle Teilhabe und das Mitgestalten des öffentlichen Gesprächs sind wichtige Bestandteile von gelingender Integration. Das Einbringen von Themen, der eigenen Sichtweise, von Schieflagen und der kulturellen Prägung gehören dazu.

In Kunst und Kultur gelingt dieser Austausch bereits an vielen Stellen. Doch nicht immer: Das deutsche Sprechtheater hat allgemein den Ruf, noch eine eurozentrische und »weiße« Hochburg  zu sein: in der Wahl der Themen, der Autoren wie auch der Schauspieler. Das große gesellschaftliche Potenzial wird hier noch viel zu wenig genutzt.

Gebet:

  • Dank für Initiativen wie das Ballhaus Naunynstraße, die Neues riskieren und künstlerisch wie gesellschaftlich relevante Beiträge leisten
  • dass Theater für, mit und über Migranten zu einem gleichberechtigen Dialog beiträgt und die öffentliche Diskussion bereichert
  • dass junge Talente gefördert werden und nicht aufgrund von Herkunft oder Aussehen abgelehnt werden

Marsch für das Leben

Der bundesweite Marsch für das Leben 2011 findet am Samstag, 17.09. ab 13:00 Uhr statt. Beginn ist vor dem Bundeskanzleramt, nicht wie früher – am Alexanderplatz. Der Marsch, der seit vielen Jahren in Berlin und anderen Städten stattfindet, setzt sich unter dem Motto »Ja zum Leben« dafür ein, dass keine Kinder mehr abgetrieben werden. Mit dem Marsch soll ein Zeichen gesetzt und an die Kinder gedacht werden, die Tag für Tag in Deutschland noch vor ihrer Geburt getötet werden. Der Marsch ist jedes Mal sehr umkämpft, weil sich linke und autonome Gruppen zusammenschließen, um die Demonstranten mit Hassparolen zu überschütten und zum Teil auch attackieren. Im letzten Jahr konnte der Marsch nur unter massivem Polizeischutz stattfinden.

Erfreulicherweise hat die Geburtenrate in Berlin stark zugenommen. Im letzten Jahr hat es einen rekordverdächtigen Babyboom in der Stadt gegeben. Es wurden mehr Menschen geboren (33.393) als starben (32.200). Über 9500 Kinder wurden jedoch nach offizieller Statistik abgetrieben – fast jedes dritte Kind! Die Dunkelziffer dürfte noch wesentlich höher sein.

Gebet:

  • Bitte um Vergebung, dass Kinder, die Gott geschenkt hat, nicht leben durften
  • Dank für eine Zunahme der Geburtenrate in Berlin
  • Schutz und Gelingen für den geplanten »Marsch für das Leben«

Neuer katholischer Erzbischof für Berlin

Ende August hat Rainer Maria Woelki offiziell sein Amt als neuer Erzbischof von Berlin angetreten. Der ehemalige Weihbischof von Köln findet in Berlin ein völlig anderes Glaubensumfeld vor, als er es bisher gewohnt war. Diese Umstellung nennt er selbst eine Herausforderung. Er wird zuerst Zeit damit verbringen, die Gemeinden und die Priester kennen zu lernen und sich in das geistliche Leben vor Ort hinein zu finden.

Gerade in Berlin gibt es ein gutes Miteinander der vielen Kirchen in der Ökumene. Gemeinsam für Berlin veranstaltet mit dem Diözesanrat der Katholiken am 3. Oktober wieder einen interkulturellen Gottesdienst und eine Feier (siehe Termine!).

Gebet:

  • Dank für das gute Miteinander der Konfessionen in der Stadt
  • Gelingen für die Arbeit des neuen Erzbischofs
  • Weisheit für den Umgang mit den Herausforderungen des Glaubens in dieser Stadt

Brandstiftungen

Dank des Wahlkampfs, der die Aufmerksamkeit auf das Thema zunehmender Brandstiftungen lenkte, hat Berlin jetzt Unterstützung von 100 Beamten der Bundespolizei zur Aufdeckung und Ergreifung der Brandstifter bekommen. Ein 29-jähriger Mann, der in Prenzlauer Berg als Zeitungszusteller unterwegs war und in vielen Wohnhäusern Kinderwagen angezündet hatte, konnte inzwischen festgenommen werden. Sein Motiv war: »Hass auf die Schwaben«. Dieser Hass macht sich im Prenzlauer Berg vor allem auf Plakaten und Graffiti an Hauswänden deutlich »Schwaben, verpisst euch« steht dort immer wieder und sogar der Spruch »Tötet Schwaben« ist an einer Hauswand zu finden. Bislang sahen viele Beobachter darin nur eine ironische Äußerung. Dass dem nicht so ist, sondern es letztendlich tatsächlich zum Tod vieler Menschen durch einen Brand hätte führen können, beweist jetzt das Geständnis des Serienbrandstifters.

Gebet:

  • weitere Aufdeckung und Ergreifung von Brandstiftern – für ein Ende dieser Gewalt
  • dass den Hassparolen gegen Schwaben jetzt wirksam entgegengetreten wird
  • für den Frieden in unserer Stadt zwischen allen Bevölkerungsgruppen

Termine

  • Stadt-Gebets-Gottesdienst für die Berliner Wahl: 07. Sept., 18:00, Jerusalem-Gemeinde, Spreeufer 5, Nikolaiviertel, U+S Alexanderplatz; anschl. Gebetsgruppen am Rathaus. Damit schließen wir die Serie der wöchentlichen Gebete für die Wahl ab.
  • Stadt-Gebets-Gottesdienst für den Strafvollzug: 14. Sept., 19:00, Evg.-Freikirchl. Gemeinde, Tempelhofer Damm 133, 12099 Berlin
  • DANKEN, FEIERN, BETEN – 21 Jahre deutsche Einheit, interkulturell und ökumenisch: 3. Okt., 15:00 -19:30 Uhr
    15:00 DANKEN und BETEN, St.-Sebastian-Kirche, Feldstr.4, 13355 Berlin-Wedding
    16:00 DANKEN und Gedenkweg an der Mauergedenkstätte Bernauer Str. entlang
    17:00 FEIERN und Begegnen, Christus-Kirche, Anklamer Str. 31, 10345 Berlin-Mitte