Als PDF herunterladen: [Gebet für Berlin – Juni 2011]

Good News – friedlicher 1. Mai

myfest2011Der 1. Mai 2011 war der friedlichste seit Jahren. Der kontinuierliche Einsatz von Christen, die sich mit einem öffentlichen Gottesdienst und Gebetsaktionen nun schon seit acht Jahren um den Frieden der Stadt bemühen, trägt sichtbare Früchte. In den Kommentaren aller Berliner Zeitungen wird in dem friedlichen Verlauf ein Wendepunkt gesehen. Die etwa 1.000 gewaltbereiten Autonomen wurden durch eine gute Polizeitaktik an größeren Krawallen gehindert. Dass es nicht zu unkontrollierbaren Ausbrüchen von Gewalt und Gegengewalt wie in den letzten Jahren gekommen ist, bewerten wir als Gebetserhörung. Da die Bibel empfiehlt, Böses mit Gutem zu überwinden, gab es zum ersten Mal für die ca. 350 Besucher des Gottesdienstes am Mariannenplatz die Möglichkeit, sich ein bis zwei Stunden aktiv an Kreuzberger Projekten zu beteiligen. Sie machen mit ihrem Engagement das Motto des Gottesdienstes wahr: »Hoffnung hilft«.

Gebet:

  • Dank für den fast friedlichen 1. Mai
  • Bitte um Nachhaltigkeit aller Anstrengungen, die Hoffnung des Evangeliums nach Kreuzberg hineinzubringen

Vorbereitungen für die Wahl zum Abgeordnetenhaus

Alle großen Parteien, die am 18. September zur Abgeordnetenhauswahl antreten, haben inzwischen ihre Wahlprogramme fertig gestellt. Da Berlin von einer »Haushaltsnotlage« bedroht ist, können keine Wahlversprechen gegeben werden, für die viel Geld ausgegeben werden müsste. Am originellsten ist in diesem Jahr das Wahlprogramm der CDU, das sich nicht so nennt, sondern überschrieben ist mit: »Das muss sich ändern«. Durch eine Bürgerbefragung wurden die hundert wichtigsten Probleme Berlins erfasst und konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Da nur wenige Bürger sich die Zeit nehmen, die Wahlprogramme der Parteien zu vergleichen, kommt es in der nächsten Zeit sehr darauf an, wie gut einzelne Themen von den Medien aufgegriffen und verbreitet werden.

Seit Anfang Mai finden wöchentliche Gebetsgänge vor Ort für die Wahl statt. Eine wachsende Anzahl von Christen bittet dabei Gott, dass er in dieser Stadt Männer und Frauen in die Politik einsetzt, die sich an seinem Wort ausrichten und ihn ehren (siehe auch Termine).

Gebet:

  • dass die unterschiedlichen Lösungsansätze der Parteien für die Probleme der Stadt von den Medien sachgemäß verdeutlicht werden
  • dass verborgene oder schädliche Planungen ans Licht kommen und die Kandidat/innen auch von Gottes Geist »durchleuchtet« werden
  • dass sich immer mehr Christen in das Gebet für die Wahl einklinken

Ehrenamt: Vollzugshelfer

Als Vollzugshelfer werden Personen bezeichnet, die ehrenamtlich im Strafvollzug tätig sind und Strafgefangene sozial betreuen. Ein Beispiel: Über zwei Jahre haben Ehrenamtliche vom Forum Straffälligenhilfe (www.forum-straffaelligenhilfe.de) A.F. begleitet. Er wird in diesen Tagen nach über drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Wie jeden Tag viele andere, so wird auch er vor dem Tor stehen und eine Zukunft in Freiheit beginnen. Wird sie gelingen? Über Jahre war er abgeschottet von allem, was das »normale Leben« ausmacht. Alles war durch Paragraphen geregelt, Entscheidungen haben andere für ihn getroffen. Jetzt muss er wieder selbst Entscheidungen treffen.

Was wird aus den Männern und Frauen, die in unserer Stadt inhaftiert waren? Manche haben draußen keinen Menschen mehr. Haben sie eine Chance? Die Maßnahmen der Bewährungshilfe, die Möglichkeiten von betreuten Wohnangeboten reichen oft nicht aus, um dem zu begegnen, was für ehemals Inhaftierte wichtig ist. Sie brauchen mehr als ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen Menschen, die mit ihnen gehen, die ihnen (wieder) Vertrauen schenken, die ihnen, besonders in der ersten Zeit nach der Haft helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist die wirksamste Art, Kriminalität zu bekämpfen.

Gebet :

  • für die Menschen, die die Gefängnisse verlassen, dass sie draußen einen Weg finden »in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen« (StVollzG § 2)
  • für die Ehrenamtlichen aus verschiedenen Initiativen unserer Stadt, die Inhaftierte als Vollzugshelfer begleiten
  • dass sich mehr Menschen finden und schulen lassen, die diesen Dienst tun

Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Antifaschisten in Kreuzberg

Der Verfassungsschutz zählt in Berlin rund 1.600 Rechtsextremisten. Etwa 700 von ihnen werden als gewaltbereit eingeschätzt. Am 19. Mai kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Gegendemonstranten. Die Neonazis tricksten die Polizei aus, indem sie unterirdisch durch eine U-Bahn-Station liefen. Unterwegs machten sie Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund und griffen sie an. Auch auf Gegendemonstranten traten sie brutal ein, ihr Verhalten war erschreckend gewalttätig.
Seit dem 19. Mai wurden im Büro einer Politikerin, die an der Demonstration gegen den Nazi-Aufzug teilgenommen hatte, die Scheiben eingeworfen –ebenso im Haus eines Bürgers, der ein Anti-Nazi-Plakat ins Fenster gehängt hatte. Es tauchen vermehrt Nazi-Schmierereien an Hauswänden auf und Nazis werben aggressiv mit Handzetteln für ihre Sache. Es wirkt so, als ob ein Erstarken der rechten Szene stattfindet.
Gebet :

  • Schwächung der rechten Szene
    • weises Handeln von Polizei und Politik
    • Dass Menschen aus der rechten Szene zum Glauben an Jesus finden

Scheidender und neuer Polizeipräsident

Dieter Glietsch wurde am 27. Mai als Polizeipräsident in Berlin mit einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet. Er war seit 2002 in diesem Amt und hat sich bei allen Parteien und vielen gesellschaftlichen Gruppen hohe Anerkennung erworben. Mit seinem Namen ist insbesondere das »Konzept der ausgestreckten Hand« für das Vorgehen der Polizei bei Demonstrationen und Veranstaltungen verbunden, von denen Gewalt auszugehen droht. Seine Politik der Umstrukturierung, Transparenz und Deeskalation am 1. Mai stieß anfangs auf viel Widerstand. Nach neun Jahren im Amt hat selbst die Opposition kaum mehr etwas zu kritisieren. Die jahrelange Spirale der Gewalt am 1. Mai in Berlin wurde unter der Regie von Glietsch tatsächlich massiv zurückgedreht – worum viele auch seit Jahren beten!

Gegen den Widerstand des Apparates und der Polizeigewerkschaften setzte Glietsch auch mehr Transparenz bei Vergehen von Polizisten durch. Ab dem Sommer sollen sie zudem Namensschilder tragen.

In einem Interview der »taz« vom 26.05. sagte Glietsch: »Wir gehen auf die Menschen zu und bieten ihnen Zusammenarbeit, Beratung und Unterstützung an. Wir gehen in die Schulen, Kindergärten und Jugendzentren, zu Migrantenorganisationen und in die Moscheen. Damit machen wir auch deutlich: Wir legen keinen Wert darauf, mit dem Knüppel loszuschlagen oder mit dem Wasserwerfer drauf zu halten. Das gilt auch für Einsätze wie den 1. Mai. Vorurteile und Vorbehalte werden abgebaut, das Bild der Polizei verändert sich und es verändern sich auch Einstellungen in der Polizei.«

Über Berlin sagt er: »Ich finde die Stadt toll. Sie ist lebendig, durcheinander, nicht so sortiert wie andere. Man muss immer mit Überraschungen rechnen. Mir ist die Stadt ans Herz gewachsen. Trotzdem ziehe ich zurück nach NRW, weil ich das meiner Frau versprochen habe. Außerdem hänge ich mittlerweile so sehr an Berlin und meiner Behörde, dass mir der Ausstieg aus dem Beruf in einer völlig anderen Umgebung, mit Distanz zu dieser Stadt, leichter fallen wird.«
Glietschs Nachfolge ist umstritten. Es gibt mehrere Bewerber. Ab 30.05. übernimmt seine Stellvertreterin Margarte Koppers die Leitung der Berliner Polizei kommissarisch, da ein Nachfolger nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen gefunden wurde.

Gebet:

  • Dank für den Dienst von Dieter Glietsch für den Frieden der Stadt
  • Nachhaltigkeit für die guten Anti-Gewalt-Konzepte
  • der richtige Nachfolger – für die Stadt, die Menschen und in Gottes Augen

Dran bleiben: Brandanschläge

In den letzten Wochen brennen wieder vermehrt Autos in den Nächten. Außerdem gab es den massiven Anschlag auf die Kabelbrücke der Bahn am Ostkreuz, der den Verkehr weiträumig lahm legte. Urheber werden in der linksautonomen Szene vermutet.

Aber auch innerhalb der Szene sind solche Aktionen umstritten. Beten wir weiter um die Prävention, Aufklärung und Verhinderung von Brandanschlägen!

Termine:

Wöchentliches Gebet für die Berliner Wahl am 18. September – herzliche Einladung.

Treffpunkt: abwechselnd am Roten Rathaus (RR) Ecke Spandauer Straße/Rathausstraße auf der Rathausseite und am Abgeordnetenhaus (AH) Ecke Niederkirchnerstraße/Stresemannstraße Richtung Potsdamer Platz.

  • Jeden Mittwoch 18-19 Uhr: 1.6. (RR); 8.6. (AH); 15.6. (RR); 22.6. (AH); 29.6. (RR)