Download als PDF: Gebet für Berlin – Februar 2010

1. Good News

Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Gewerkschaften und gemeinnützige Träger haben im Januar die Landes-Armutskonferenz Berlin (LAK) gegründet. Sie wollen mit diesem Zusammenschluss verstärkt verhindern, dass die Kosten zur Bekämpfung der Finanzkrise vor allen die Armen zu tragen haben. Sie planen gemeinsame Tagungen, Kampagnen und Politikberatung. Ein erstes Treffen wird im April stattfinden.

2. Soziale Kluft wächst

Die soziale Kluft zwischen Berlins Problemkiezen und dem Rest der Hauptstadt hat sich weiter vergrößert. Arbeitslosigkeit, Armut und Chancenlosigkeit sind in sozial schwachen Stadtvierteln nach der jüngsten Untersuchung im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht spürbar zurückgegangen. Die Probleme konzentrieren sich in Kreuzberg-Nordost, Neukölln-Nord, Wedding-Moabit, Marzahnund Hellersdorf-Nord sowie in Spandau-Mitte. Dort lebt ein Fünftel aller Berliner.
Nirgendwo ist das Armutsrisiko in Deutschland so groß wie in Berlin. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Danach weist Berlin den höchsten Anteil von Beziehern staatlicher Transferleistungen wie Hartz IV auf. Knapp 20 Prozent der Berlinerinnen und Berliner seien auf staatliche Unterstützung angewiesen. (Quelle: Der Tagesspiegel; Die Welt vom 21.01.2010) Ganz aktuell will sich die regierende SPD-Fraktion verstärkt in den Bereichen Integration und Armut engagieren.
Gebet:
  • Wirksamere sozialpolitische Maßnahmen
  • Offenheit der Gemeinden für von Sozialleistungen abhängige Menschen
  • Dass Christen und Kirchen die Krise als Chance für kreative Hilfsprojekte nutzen

3. Zufluchtstadt Berlin

Im letzten Monat waren Berlins Notunterkünfte für Obdachlose übervoll. 70 Einrichtungen von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden kümmern sich um Obdachlose in Berlin. Nur zum Teil wird diese Arbeit durch öffentliche Mittel getragen. Die Berliner Stadtmission zählte 20 Prozent mehr Hilfesuchende als im letzten Winter, auch wegen der strengen Kälte.
Zunehmend kommen jetzt als Folge der Osterweiterung der EU auch Osteuropäer nach Berlin. Das stellt die Einrichtungen, die sich um Notleidende kümmern, vor größere Probleme. Menschen aus der EU haben keinen Anspruch auf deutsche Sozialhilfe. Die Berliner Kältehilfe kann diese Menschen nicht irgendwohin weiter vermitteln, sie bleiben allein auf die Notunterkünfte angewiesen. Berlin war schon immer eine Stadt, in der Menschen Zuflucht gesucht und gefunden haben. Viele Christen engagieren sich mit dafür, dass das auch so bleibt.
Gebet:
  • Dass Kirchen und Wohlfahrtsverbände mit genug Mitteln unterstützt werden, um Bedürftigen zu helfen
  • Dass für Not leidende EU-Bürger angemessene Formen der sozialen Unterstützung gefunden werden, die dauerhaft helfen

4. Kindesmisshandlung in Berlin

Unter dem Begriff Kindesmisshandlung werden physische als auch psychische Gewaltakte, sexueller Missbrauch sowie Vernachlässigung verstanden. Täter sind oft die Eltern oder nahe stehende Personen. Jedes Jahr werden bei der Berliner Polizei über 1000 Vorgänge des sexuellen Missbrauchs gemeldet, die Opfer sind etwa zu einem Viertel Jungs, zu drei Vierteln Mädchen. Die Dunkelziffer wird auf mindestens 1 zu 20 geschätzt. Das würde bedeuten, dass in Berlin jeden Tag etwa 60 Kinder Opfer sexueller Gewalt werden.
Neben sexuellem Missbrauch im Umfeld der Familie werden auch manche Kinder Opfer organisierter Kriminalität (Pädophilie) und von rituellem Missbrauch in Kulten. Berlin hatte 2008 darüber hinaus im Bundesgebiet die höchste Zahl (17 pro 100.000 Einwohner) an gemeldeten Misshandlungen von Kindern. In Berlin gibt es – als einzigem Bundesland – ein spezielles Kommissariat, das sich mit Straftaten an Kindern beschäftigt.
Gebet:
  • Dass Kinder wirksam vor Gewalt geschützt werden
  • Zunehmende Wachsamkeit im Umfeld, die dazu beiträgt, Straftaten zu verhindern, zu erkennen und aufzudecken.
  • Effektive Maßnahmen von Polizei und Staatsanwaltschaft, organisierte Verbrechen gegen Kinder durch Pädophile und Kulte aufzudecken und zu verfolgen.

5. Vorbereitungen für friedlichen 1. Mai

In den Jahren 2004-2008 ging die Randale in Kreuzberg spürbar zurück. Dazu trugen auch Christen bei, die sich aktiv und betend für einen friedlichen 1. Mai eingesetzt hatten. 2009 kam es erstmals wieder zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei der sogar Brandsätze auf Polizisten geworfen wurden. Seitdem kommt die Stadt nicht mehr zur Ruhe. Jeden Monat brannten Autos. Die Zahl der von Linksextremisten verübten Straftaten hat sich im Jahr 2009 verdoppelt. Immer wieder wurden nun auch Polizisten oder staatliche Einrichtungen gezielt angegriffen. In letzter Zeit wurden sogar selbstgebaute Sprengkörper eingesetzt.
Daher laden Christen Berliner Gemeinden und Einzelbeter dazu ein, sich in einer Fastenund Gebetskette vom 5. April bis 5. Mai verstärkt vor Gott für einen friedlichen 1. Mai 2010 in Berlin einzusetzen. Das »MyFest« soll dieses Jahr mit einigen Veränderungen stattfinden. Zurzeit sucht der Bezirk eine geeignete Person, die das Straßenfest organisiert und als Ansprechpartner akzeptiert wird. Nach den Krawallen des letzten Jahres trat die bisherige Organisatorin Silke Fischer aus Protest zurück.
Bitte vormerken: 21.03., 19 Uhr, City-Kirche Kreuzberg, Stadt-Gebets-Gottesdienst für friedlichen 1. Mai

Gebet:
  • Dass eine geeignete Person für die Organisation des Straßenfests gefunden wird, bei der auch Christen mit ihren Initiativen Gehör finden
  • Für einen deutlichen Rückgang der Gewalt (Brandanschläge u. ä.) schon im Vorfeld vom 1. Mai
  • Weisheit und Gelingen für alle, die sich für einen friedlichen 1. Mai einsetzen und vorbereiten: die Polizei, die Anwohner, das Vorbereitungsteam für den Gottesdienst

6. Projekte der Hoffnung (2): Straßenkinder e.V. und Haus Bolle

Die Arbeit des Straßenkinder e.V. entstand aus der anfänglich spontanen Hilfe für Punks und Jugendliche u. a. an der Gedächtniskirche und besteht seit dem Jahr 2000 als eingetragener Verein. Aus dieser Initiative hat sich inzwischen ein erfolgreiches Resozialisierungskonzept entwickelt. Junge Menschen werden beim Ausstieg aus der Straßenkinderszene und bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützt. Träger ist ein christlich-interkonfessioneller Verein, Mitglied im Diakonischen Werk, tätig an verschiedenen Brennpunkten wie z. B. Alexanderplatz und Ostbahnhof. Das »Kinderund Jugendhaus Bolle« wird derzeit umgebaut und steht kurz vor der Eröffnung. Es liegt in einem Problemkiez von Marzahn mit einer Hartz IV-Dichte von 42%, eine der kinderreichsten Gegenden von Berlin. Schon seit längerem wird ein Zusammenhang zwischen der wachsenden Kinderarmut und dem Straßenkinderdasein beobachtet.
Immer mehr äußerlich unauffällige Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien landen, zumindest für eine Zeit, auf der Straße. Dem wird das »Kinderund Jugendhaus Bolle« mit klar christlich motivierten und sozialpädagogisch qualifizierten Konzept entgegenwirken. Es soll mit einer Vielzahl von Angeboten dafür sorgen, dass Kinder erst gar nicht auf der Straße landen.
Gebet:
  • Segen und Gelingen für die letzte Umbauphase und den Start von Haus Bolle
  • Ein qualifiziertes, christlich motiviertes Team mit Liebe für die Kinder
  • Wirksame Reduzierung der Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen

7. Dran bleiben: Schutz vor Terror

Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Stadt bisher vor islamistischen und anderen Terroranschlägen verschont geblieben ist. Beten wir weiter um Schutz für unsere Stadt und dafür, dass geplante Anschläge schon im Vorfeld aufgedeckt werden!

8. 40 Tage beten und fasten für unser Land

Unter dem Motto »Wahres Glück« beginnt am 17.2. zum siebten Mal diese Aktion in der Passionszeit. Sie geht bis zum 3. 4. Das Heft kann gegen Spende bestellt werden: info@campus-d.de, Tel. 0641-975180. Auf www.40Tagebetenundfasten.de sind die Gebetstexte zum Herunterladen zu finden, auch in englischer Sprache.

9. Termine

Transforum-Konferenz 25.-27. Februar: Von der Freude, der Stadt zu dienen – Gesellschaftliche Umbrüche als Chance für christliches Engagement
So lautet das Thema dieser 4. Konferenz von Gemeinsam für Berlin. Sie will Hoffnung wecken statt Resignation, Chancen entdecken statt Probleme zu fixieren, Freude des Glaubens aktivieren statt über Defizite zu jammern.
Der Tagung geht ein Theologentag voraus. Ausführliche Informationen zu den Seminaren, Workshops und Referenten gibt es auf der Webseite www.transforum-berlin.de.