Download als PDF: Gebet für Berlin – April 2009

Freundliches Berlin?Good News – Berlin soll freundlicher werden

Die Berliner besitzen eine Menge guter Eigenschaften: Überlebensgeist, Freiheitsliebe, Toleranz. Doch sie sind nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt. Das soll sich jetzt durch eine aktuelle Imagekampagne ändern. Besonders Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, aber auch »ganz normale« Bürger, sollen dadurch ermutigt werden, achtsamer, freundlicher und zuvorkommender miteinander umzugehen. Wir als Redaktionsteam wünschen der Kampagne viel Erfolg und ermutigen zum Mitmachen. Fragen Sie sich doch mal: Woran würde meine Umwelt erkennen, dass die Kampagne bei mir gewirkt hat und ich etwas freundlicher geworden bin? Als Nutznießer der Freundlichkeit Gottes sollte uns Christen das nicht schwer fallen.

»Hartz-IV-Metropole«

Kein schöner Titel, aber leider wahr: Die Hauptstadt bleibt, trotz wirtschaftlicher Erfolge in den vergangenen vier Jahren, eine arme Stadt. Die Arbeitslosenquote von 14,4% im Februar spiegelt das wider. Nur in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist sie etwas höher. So wundert es nicht, dass der Anteil der Hartz-IV-Empfänger in Berlin (21,3% im Oktober 2008) doppelt so hoch ist wie im gesamten Bundesgebiet (10,2%).
Unterstützungsleistungen des Staates erhalten sowohl Arbeitslose, die erwerbsfähig sind und ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können, als auch Menschen, die zwar arbeiten, aber davon nicht leben können (»Aufstocker«).
Leidtragende sind immer öfter Kinder. Dabei sind die sozialen Unterschiede zwischen den Stadtteilen massiv und vergrößern sich sogar noch. In den Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Mitte kommt etwa die Hälfte (!) der Kinder aus Hartz-IV-Familien. Verschärft treten die Probleme bei Alleinerziehenden auf: 47% von ihnen sind in Berlin auf Hartz-IV angewiesen. Das wird dadurch verstärkt, dass traditionelle Familienstrukturen zunehmend an Bedeutung verlieren – es gibt inzwischen genau so viele Singles wie verheiratete Menschen über 18 Jahre.
Zahlen, die aufrütteln, die entschiedenes politisches Handeln und gesunde Familien als Vorbilder umso nötiger machen – und die ins Gebet treiben! (Daten und Fakten: Der Tagesspiegel 18.03.09)

Gebet:

  • für die Kinder und ihre eingeschränkten Chancen auf Bildung und Anregung
  • Perspektiven und konkrete Hilfe für die Eltern, besonders Alleinerziehende
  • wirksame politische Maßnahmen für die Betroffenen, erst recht in der Wirtschaftskrise
  • ermutigende Modelle von Kinder- und Familienhilfe durch christliche Einrichtungen (wie Die Arche oder Jonas Haus)
  • Schutz vor sich entladenden Spannungen durch die sozial auseinander driftenden Milieus und Stadtteile

Für einen friedlichen 1.Mai

Im April laufen intensive Vorbereitungen für den 1. Mai. Verschiedene politische Gruppen bereiten sich auf diesen Tag vor – nicht alle haben friedliche Absichten.
Die Polizei muss sich am 1. Mai wieder auf mehrere Großeinsätze einstellen. Befürchtet werden diesmal vor allem Auseinandersetzungen zwischen der rechten und der linken Szene. Denn an diesem 1. Mai will die rechtsextreme NPD vormittags in Berlin-Köpenick in der Nähe ihrer Bundeszentrale demonstrieren. Die Polizei erwartet bis zu 1000 Teilnehmer.
Gegen diese Demonstration werden Protestaktionen durch antifaschistische Gruppen vorbereitet. Bei der letzten großen Demonstration der Rechtsextremen am 1. Mai 2004 in Berlin kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen gewaltbereiten Rechtsextremen und autonomen Gruppen.
In Kreuzberg wird es wieder eine linksradikale Demonstration geben, die um 18:00 Uhr am U-Bahnhof Kottbusser Tor starten soll. Von dieser Demonstration gingen in den letzten Jahren immer wieder Krawalle aus. In verschiedenen Blog-Einträgen wird bereits die Erwartung geschürt, dass der diesjährige 1. Mai nicht so friedlich verläuft, wie es in den beiden letzten Jahren war. Die Aussicht, morgens gegen den Rechtsextremismus und abends gegen den Kapitalismus anzukämpfen, scheint aggressive Fantasien zu beflügeln.
Auf dem Myfest, das auch in diesem Jahr im Gebiet des alten »SO 36« veranstaltet wird, wird es zum ersten Mal ein Verkaufsverbot für Getränke in Flaschen geben, da diese immer wieder als Wurfgeschosse bei gewalttätigen Auseinandersetzungen verwendet wurden. Christen werden sich wieder mit Gebet auf der Straße und mit einem Open-Air-Gottesdienst dafür einsetzen, dass der 1. Mai friedlich verläuft.

Gebet:

  • Herrschaft des Friedens Gottes über gewaltbereite Menschen am 30. April und 1. Mai
  • Weisheit für die taktische Einsatzplanung der Polizei für angemeldete und spontane Demonstrationen
  • für kreative, friedliche Maßnahmen der Gegendemonstranten gegen den NPD-Aufmarsch, die ihn wirksam verhindern

Berliner Strafvollzug

In Berlin gibt es acht Vollzugsanstalten (offener und geschlossener Strafvollzug), eine Jugendarrestanstalt und ein Justizvollzugskrankenhaus. Hier sind über 5000 Inhaftierte untergebracht. Sie wurden verurteilt »im Namen des Volkes«. Doch was nimmt das Volk von ihrem Schicksal wahr? Der Strafvollzug rückt ins Bewusstsein, wenn was passiert ist: eine Flucht, ein Rückfall, eine »Sensation«. Der Alltag der Inhaftierten ist gezeichnet von Ausgrenzung und Ohnmacht. Die Angehörigen sind weithin mit bestraft: Eltern, Frauen, vor allem die Kinder leiden und haben einen schlechten Start ins Leben.
Die Bediensteten im Strafvollzug arbeiten unter schwierigen Bedingungen, in einer destruktiven Atmosphäre, unter Druck von allen Seiten.
Die Personalkürzungen der vergangenen Jahre haben zu tiefen Einschnitten geführt. Eine neue Rahmenkonzeption passt das Konzept der schwierigen Wirklichkeit an. Die Situation spitzt sich weiter zu. Es ist wichtig, dass das Geschehen hinter den Mauern auf vielfache Weise in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt wird und Brücken zwischen »drinnen und draußen« entstehen.

Gebet:

  • dass die Inhaftierten und ihre Angehörigen, Hilfe finden und neue Zukunft gewinnen können
  • dass neue Wege gefunden werden, in- und außerhalb von Haftanstalten Resozialisierung zu ermöglichen
  • Ermutigung und besseres öffentliches Ansehen für alle, die im Strafvollzug arbeiten
  • dass Christen der Stadt den Auftrag Jesu, die Gefangenen zu besuchen, vermehrt entdecken und wahrnehmen

Bischofswahl in Berlin

Der weit über Berlin hinaus bekannt gewordene Bischof Dr. Wolfgang Huber geht in diesem Jahr in den Ruhestand, zunächst als Bischof, später auch als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Im Mai wählt die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) eine(n) Nachfolger/in für ihr Kirchengebiet. Zur Wahl stehen: Dr. Markus Dröge, Superintendent in Koblenz; Dr. Johanna Haberer, Professorin für kirchliche Publizistik, Erlangen; Dr. Rüdiger Sachau, Leiter der Evangelischen Akademie Berlin. Die öffentlichen Vorstellungsgottesdienste fanden bereits im März statt. Die Landessynode wählt die Nachfolge auf ihrer Synode am 15./16. Mai 2009 in Berlin. Der Amtswechsel ist am 14.11.2009 geplant. Der Bischof oder die Bischöfin vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Er/sie ist zugleich Vorsitzende(r) der Kirchenleitung und kann durch Verkündigung und geistliche Leitung wesentliche Impulse für die Zukunft der Kirche setzen.

Gebet:

  • Dank für die positive Präsenz in der Öffentlichkeit und für die missionarischen Akzente von Bischof Huber
  • Leitung des Heiligen Geistes für die Synode bei der Wahl der Nachfolge
  • dass die Person ins Bischofsamt kommt, die Menschen überzeugt und Gott gefällt

Dran bleiben

Nach wie vor kommt es zu Brandanschlägen auf Autos sowie zu tätlichen Übergriffen auf BVG-Bus-Fahrer. Der Boxhagener Platz, der in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai seit Jahren ein Anziehungspunkt für Punker und Autonome ist, wird seit einiger Zeit von Aktionen autonomer Gruppen in Unruhe versetzt. Beten wir weiter um ein Ende der Gewalt!

Termine

Jetzt vormerken:

Seminar: Gebet (nicht nur) am 1. Mai, 25.4., 15-18 Uhr, EFG Bergmannstr.22, Kreuzberg.
Workshops mit Lehre und praktischen Übungen: Draußen beten / Segnungs- und Heilungsgebet / Prophetisches Gebet Anmeldung über Mail: nehlsen@gfberlin.de