Aktuell und kurz zusammengefasst:
Gebet und seine Auswirkungen in Berlin seit 1998 – ein Bericht von Rosemarie Stresemann bei der deutschen Gebetskonferenz in Friedrichroda am 9. 11. 2007. Download als PDF
Ausführlicher:
Seit Januar 2003 gibt das Forum Gebet den monatlichen Gebetsbrief heraus. Wir berichten darin unter der Rubrik Good News regelmäßig über Gebetserhörungen in der Stadt, aber es ist sicher für viele Beterinnen und Beter eine willkommene Stärkung, zusammengefasst zu betrachten, was Gott schon getan hat. Dies ist die aktualisierte Version vom Januar 2007, das nächste Update folgt im Januar 2008.
Bei manchen Themen heißt es: Dran bleiben! Doch das können wir mit viel mehr Zuversicht und Dankbarkeit tun, wenn wir uns der bereits sichtbaren Veränderungen bewusst sind. Dazu ist diese Übersicht gedacht (die keineswegs den Anspruch erhebt, vollständig zu sein und aus Platzgründen etliche Details auslassen muss).
1. Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Politik
Die Berufung Berlins – eine Quelle der Inspiration und des Segens zu sein, die in das Land hinein und über Deutschland hinaus nach Europa fließen – war und ist ein Anliegen mit vielen Facetten. Dazu gehören Bildung und Wissenschaft genauso wie Medien und Kunst. Wir haben immer wieder bestimmte Aspekte als Gebetsthemen aufgegriffen.
Bereich Schule
Bei der Einschulung zum Schuljahr 2005/06 konnten 700 Kinderbibeln an Erstklässler in einem Berliner Bezirk verteilt werden. Ein ermutigender Anfang einer Wende im Denken, gerade in Zeiten des (mehr oder weniger hintergründigen) politischen Kampfes gegen den Religionsunterricht.
Es gibt inzwischen an 30 Berliner Schulen Schülerbibelkreise. Die Schülerinnen und Schüler treffen sich in den Pausen oder nach dem Unterricht zu Andachten, Bibelstudien und um für ihre Schule, die Lehrer und die Schüler zu beten.
Bereich Hochschulen / Unis
Wir haben immer wieder zum Gebet für die Stärkung der Potenziale Berlins aufgerufen und freuen uns über diese guten Entwicklungen: “Nur wenige Wochen nach dem für Berlin enttäuschenden Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Finanzausstattung des Landes zeigen zwei Studien, wo die Stärken und Potenziale der Hauptstadt liegen: Berlin ist nach Baden-Württemberg und vor der Ile de France, der Gegend rund um Paris, die innovationsstärkste Region Europas.” Das ergibt sich aus einem aktuellen Gutachten. “Damit attestieren die Wissenschaftler Berlin eine herausragende Stärke in den beiden strategisch wichtigen Funktionen als Haupt- und Wissensstadt.
Trotz knapper Budgets kann die Forschung in Berlin wachsen, statt zu schrumpfen. Seit 2003 hat es etliche Entdeckungen und Erfindungen im Bereich der Medizin und Wissenschaft gegeben, die genau solche Impulse sind, für die wir beten: Neue Behandlungsmethoden, neue Technologien, neue Denkansätze.
Das Gebet um den “Köhler-Effekt”, also frische personelle Impulse, ist mehrmals erhört worden: Der Theologe Christoph Markschies wurde 2004 zum Präsidenten der Humboldt-Universität gewählt. Markschies, 1962 in Berlin geboren, ist wissenschaftlich hoch qualifiziert, jedoch erst seit 2004 Professor in Berlin. Er gilt als Hoffnungsträger, der nicht in eingefahrenen und verknöcherten Strukturen gefangen ist.
Eine weitere Gebetserhörung gab es nach den Senatwahlen 2006, indem Jürgen Zöllner als Senator für Bildung berufen wurde. Er ist Katholik und hat zwei Kinder. Besondere Bedeutung erhielt diese Berufung dadurch, dass Wissenschaft und Bildung zusammen nunmehr einem Senator unterstellt sind, so dass Bildung als eine Gesamtaufgabe begriffen wird, die sich von der Erziehung im Kindergarten bis zu Wissenschaft und Forschung erstreckt. 2007 wird er zusätzlich turnusmäßig Präsident der Kultusministerkonferenz und kann dort unter anderem seine Reformideen für einen Finanzausgleich zwischen den Hochschulen der Bundesländer einbringen.
Bereich Kunst und Medien
Im Bereich Kunst und Medien werden ebenfalls Erhörungen sichtbar: Der gläubige Regisseur Wim Wenders und seine Frau, die Fotografin Donata Wenders, zogen nach Berlin. Eine Ausstellung über die jüdische Kulturgeschichte hatte Besucherrekorde. Die regionale Rundfunk- und Fernsehanstalt (rbb) bekam eine Intendantin, die bekennende katholische Christin ist – positive Auswirkungen auf das Programm sind hier und da bereits zu bemerken.
In der Presse, im Fernsehen und in der Öffentlichkeit tauchen statt der Verhöhnung von christlichem Glauben und Werten immer mehr Berichte auf, die fair und positiv sind. Ein Beispiel von mehreren: Im November 2005 lief in der Pro7-Serie “We are Familiy! So lebt Deutschland” eine Sendung über eine Familie aus der Gemeinde auf dem Weg in Berlin. Gezeigt wurde neben den Alltagsverrichtungen auch der gelebte Glaube: Vom morgendlichen Gebet über den Familien-Bibelkreis, Gottesdienstbesuch und die abendliche Familien-Anbetungszeit bis zu Glaubenszeugnissen der beiden Eltern. Es gab in der kompletten Sendung keine einzige negative Bemerkung und keinen einzigen abfälligen Kommentar über die Frömmigkeit der Familie – im Gegenteil, es wurde deutlich, dass diese Berliner Familie Zusammenhalt, Nestwärme und gemeinsame Stärke gegen die Widrigkeiten des Alltags hat, die anderen oft schmerzlich fehlt.
Die “Berliner Morgenpost” druckte am 24. 12. 05 unter der Überschrift “Die wichtigste Nachricht des Tages” die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2) vollständig ab. Das “Info-Radio” sendete im Januar einen Bericht über die Freiwilligenagentur von GfB und der “RBB” drehte einen Beitrag über die neu erschienene “Volxbibel”, eine freie Übersetzung der Bibel, die vor allem kirchenferne Menschen ansprechen soll. Es gab ferner einen kurzen Fernsehbericht, eingeleitet durch ein Wort des Bundespräsidenten, in dem das Breakout der Kreuzberger Baptisten positiv gezeigt wurde. Auch durch andere Medien gelangt Gottes Wort zu den Menschen: Die selbe Kreuzberger Gemeinde brachte mit GfB in der Vorweihnachtszeit 2005 und 2006 fast 10.000 CDs mit der Weihnachtsgeschichte in mehreren Sprachen (Deutsch, Türkisch, Englisch, Arabisch und Persisch) unter die Menschen. Zuletzt schließlich gab es zu Weihnachten 2006 eine auffällige Häufung von guten geistlichen Impulsen in den Berliner Tageszeitungen. Die Morgenpost arbeitete gar für ihre Weihnachtsausgabe unter der redaktionellen Leitung von Bischof Wolfgang Huber.
Im Oktober 2006 fanden zwei bedeutende Ereignisse in der Berliner Kunstszene statt. Das eine bekam viel öffentliche Aufmerksamkeit- das andere verlief eher unbemerkt. Viele beachtet wurde die Kunstmesse “Art Forum”, auf der junge und ganz junge Kunst präsentiert wurde. Sie zog die Aufmerksamkeit internationaler Galeristen auf sich. Offiziell leben in Berlin 6.000 bildende Künstler und noch einmal so viel halten sich vorübergehend hier auf. Es gibt 400 Galerien in Berlin und rund 1000 Orte, an denen Kunst gezeigt wird. In Europa belegt Berlin nach London damit den zweiten Platz. Vor 1989 war Köln für die Kunstszene am bedeutendsten. Das hat sich nun verändert. Namhafte Galeristen wechseln nach Berlin oder haben 2006 hier eine zweite Niederlassung eröffnet. Damit wird Kunst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Stadt.
Sehr bedeutsam für Christen unter den Künstlern war Mitte Oktober 2006 die erste christliche Kunstkonferenz “Kollaborativ 06″, bei der es darum ging, kreativ Schaffende mit christlichem Hintergrund miteinander in Kontakt zu bringen. Namhafte Referenten, wie Steve Turner (London) und Donata Wenders (Berlin) gaben wichtige Impulse, wie die kreative Arbeit mit dem Glauben verbunden werden kann. Die zwei Tage, die mit Workshops und Referaten gefüllt waren, wurden von den Teilnehmern als sehr inspirierend empfunden.
Bereich Wirtschaft / Arbeit / Finanzen
Schon im Januar 2003 war eines der Gebetsanliegen die Wirtschaft in Berlin, da es bis dahin seit Jahren nur negative Entwicklungen gab. Das Thema wurde immer wieder in den Gebetsbriefen, allgemein oder für bestimmte Bereiche, aufgegriffen. Den verantwortlichen Senator Harald Wolf hatten wir im Gebetsbrief Mai 2005 vorgestellt.
Seit 2004 wächst die Wirtschaft in Berlin wieder. Zaghaft zwar, aber eindeutig ist die Tendenz gewendet. In der Industrie entstanden neue Arbeitsplätze, die Zahl der Ausbildungsplätze in Berlin nahm zu. Diese Entwicklung setzt sich fort: Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, stellte am 8. August 2005 den Wirtschafts- und Arbeitsmarktbericht 2005 vor. Darin heißt es unter anderem: Die Gesamttendenz der Berliner Wirtschaft hat sich danach im vergangenen Jahr leicht verbessert. Erstmals seit vier Jahren wuchs das Bruttoinlandsprodukt wieder (real um 0,5%). Erstmals seit dem Jahr 2000 wuchs auch die Gesamtbeschäftigung an. Insgesamt waren 2004 rund 1,534 Millionen Personen erwerbstätig. Der Anstieg um 19.400 bzw. 1,3 Prozent fiel stärker aus als im Bundesdurchschnitt (plus 0,3%). Die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Berlin betrug 2004 im Jahresdurchschnitt 298.000. Das waren 2,8 Prozent weniger als noch 2003. Allerdings stieg die Arbeitslosenzahl nach Inkrafttreten des Gesetzespaketes Hartz IV im Jahr 2005 wieder deutlich an, weil nunmehr auch arbeitsfähige Sozialhilfeempfangende neu in die Statistik aufgenommen wurden. Wolf erklärte dazu: “Obwohl das wirtschaftliche Umfeld insgesamt schwierig ist, trägt die Arbeit auch Früchte: Wirtschaftsverbände und Kammern arbeiten gemeinsam mit dem Senat daran, die Potenziale Berlins zu stärken. Internationale Unternehmen wie BASF, MTV, VIVA oder Daimler-Chrysler haben Standortentscheidungen für Berlin getroffen. Wenn auch der tief greifende Wandel der der Wirtschaft noch lange nicht zu seinem Ende gekommen ist, so ist doch eines erkennbar: Berlin ist auf dem richtigen Weg.”
Die Finanzlage Berlins schien lange aussichtslos. Wir hatten unter anderem im Juni 2005 im Gebetsbrief den verantwortlichen Senator Thilo Sarrazin vorgestellt. Auch in den Jahren 2003 und 2004 waren Berlins Finanzen immer wieder unter den Anliegen im Gebetsbrief.
Die Finanzlage Berlins bessert sich schneller als von der Politik prognostiziert. Das erwartete Finanzierungsdefizit lag 2005 bei 3,408 Mrd. € und damit um 503 Mio. € unter dem Haushaltssoll. Dazu erklärte Finanzsenator Thilo Sarrazin: “Damit schaffen wir es durch unsere konsequente Konsolidierungspolitik und strengste Ausgabendisziplin in Senat und Bezirken schon zum zweiten Mal in Folge, mit weniger Neuverschuldung auszukommen als geplant.” Ausschlaggebend für die positive Entwicklung des Finanzierungssaldos sind sowohl Verbesserungen auf der Einnahmenseite als auch deutliche Entlastungen auf der Ausgabenseite. Damit wurde nach Abschlussdefiziten in den Jahren vor 2004 (2003 noch 350 Mio. €) seit 2004 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht.
Der Doppelhaushalt 2006/2007 geht nun davon aus, dass im Jahr 2007 die Primäreinnahmen nicht mehr geringer sind als die Primärausgaben, ab 2008 soll Berlin dann nach über zehn Jahren erstmals wieder mehr Einnahmen als Ausgaben im Primärbereich haben.
Erfreuliches berichtete die Presse im November 2006: Berlin liegt vorn! Nach der jüngsten Erhebung der Industrie- und Handelskammer (IHK), wurden 2006 im Bereich der IHK 12.284 neue Ausbildungsverhältnisse registriert – das sind rund elf Prozent mehr als im Vorjahr (Stand 30. November). Die Zahl neuer betrieblicher Ausbildungsplätze stieg um knapp 8,4 Prozent auf 9293. “Damit liegt die Hauptstadt im bundesweiten Vergleich an der Spitze”, sagte Günter Lambertz, Ausbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Lehrstellenplus liege bislang insgesamt in Deutschland bei 4,8 Prozent, in den neuen Ländern, zu denen Berlin zählt, sogar nur bei 3,3 Prozent. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe stieg im Vergleich zum Vorjahr um 155 auf fast 5.900.
Der Konjunkturaufschwung belebt weiterhin den Berliner Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbslosen ging erneut zurück. Ende November waren 27.942 weniger Berliner arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank binnen Jahresfrist von 17,8 Prozent auf 16,1 Prozent. Berlin habe im Vergleich zu den anderen Bundesländern im zurückliegenden Jahr einen überproportionalen Beschäftigungszuwachs erreicht, berichteten die Arbeitsmarktexperten.
Bereich Politik
Christliche Werte in der Politik waren in der Vergangenheit kaum zu erkennen und christliche Politiker selten. Wir stellten ab Januar 2005 jeweils einen Senator Berlins vor: 2003 und 2004 hatten wir bei gegebenen Anlässen bestimmte Politiker und auch Mitglieder der Bundesregierung als Gebetsanliegen genannt, da Berlin Regierungssitz ist.
Die deutlichste Gebetserhörung war sicher die Wahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten. Auch seine Vorgänger waren christlichen Werten gegenüber positiv eingestellt, aber mit Horst Köhler war ein Mann in das höchste politische Amt gewählt worden, der bewusst und aktiv als Christ Politik betreibt. “Gott segne unser Land” – mit diesen Worten beendete er seine Antrittsrede. Das ist bisher keinem Bundespräsidenten über die Lippen gekommen. Auch bei den Berliner Senatoren werden Gebetserhörungen sichtbar. Innensenator Körting und Finanzsenator Sarrazin stehen öffentlich zu ihrem Glauben und es ist zu erkennen, dass ihre Politik durch göttlichen Segen begleitet wird, zum Beispiel rund um den 1. Mai und bei der schwierigen Sanierung der Finanzen der Stadt.
Auch ist es inzwischen seit Jahren regelmäßig möglich, einmal jährlich ein Gebetsfrühstück für Leitende im Festsaal des Roten Rathauses durchzuführen, also direkt am Regierungssitz.
Bereich Gesellschaft
Es war und ist uns zuwider, wenn auf den Straßen und in Veranstaltungsorten Berlins Unmoral verherrlicht und christliche Werte verachtet und der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Dies war bei der jährlichen Love-Parade genauso der Fall wie bei dem Umzug zum Christopher-Street-Day und bei zahlreichen Theaterstücken oder sonstigen großen Veranstaltungen.
2004 und 2005 gab es keine Love-Parade in Berlin. Die Versuche zur Wiederbelebung 2006 endeten mit einer Kommerzialisierung, durch die für viele Zuschauer die Attraktivität erheblich gesunken ist. Ferner wurde gegen Drogenmissbrauch und Umweltbelastung aktiv vorgegangen.
Der Christopher-Street-Day stößt auf deutlich abnehmendes Publikumsinteresse, was auch unser Gebetsanliegen war: 2003 ca. 600.000, 2004 ca. 450.000, 2005 ca. 350.000 Zuschauer und “nur” 5.000 Mitwirkende. Im Jahr 2006 sprachen die Veranstalter von “mehreren Hunderttausend” Besuchern, die Polizei wollte sich nicht zu Besucherzahlen äußern.
Während es mit solchen Ereignissen “abwärts” geht, sehen wir bei Veranstaltungen von Christen positive Entwicklungen. The Call, ein Gebetstag am Brandenburger Tor im August 2003, hatte 12.000 überwiegend junge Besucher. Berlin war Austragungsort der Pfingst-Europa-Konferenz, in deren Rahmen Tausende Berliner die evangelistischen Predigten von Reinhardt Bonnke hörten. Die Presse meldete nach dem Ökumenischen Kirchentag: “1:0 für Gott!” Ein evangelistisches Konzert anlässlich des Kirchentages in der Berliner Waldbühne brachte 18.000 Zuhörer zusammen, von denen sich etwa die Hälfte beim Bekehrungsaufruf meldeten. Der Jesus-Tag 2004 fand öffentliche Beachtung und es wurde nicht nur fair, sondern positiv berichtet. Eine führende Boulevardzeitung warb 2005 auf Großplakaten in origineller Weise (Sensation: Mann geht über das Wasser!) für die Bibel, brachte Zeugnisse des Glaubens in ihren Ausgaben und verkaufte 20.000 Bibeln zu einem Spottpreis. Im Sommer 2006 wurde das Olympiastadion mit Anbetung Gottes und Lobpreis von ca. 24.000 fröhlichen Christen gefüllt, die zu diesem Anlass, Calling all Nations, aus aller Welt in unsere Stadt kamen. Wenige Monate nach der Lobpreisveranstaltung im Berliner Olympiastadion haben die Verantwortlichen eine weitgehend positive Bilanz gezogen und auch finanziell gut abgeschlossen. Über 800 Mitwirkende waren auf der Bühne und hinter den Kulissen beteiligt. “Ohne dieses Engagement und den Verzicht aller Künstler auf Honorare und Fahrtkosten wäre es unmöglich gewesen, zu einem positiven Rechnungsabschluss zu kommen”, äußerte sich Geschäftsführer Gerhard Kehl zufrieden. Aber auch eine radikale Kürzung der Ausgaben vor der Veranstaltung sowie eine großzügige Kollekte am Veranstaltungstag trugen dazu bei, dass der Tag mit einem leichten Plus abgeschlossen werden konnte.
Schuldenfrei ist seit November 2006 auch der Jesus-Tag-Verein, der im Jahr 2004 in Berlin eine Großveranstaltung mit etwa 40.000 Teilnehmern durchführte. Das letzte zinslose Darlehen wurde zurückgezahlt.
2. Sicherheit der Stadt
Ein wichtiges Gebetsanliegen waren seit Beginn unserer Arbeit die für Berlin traditionellen Krawalle und Gewaltausbrüche rund um den 1. Mai. Seit fast 20 Jahren gehörten erhebliche Sachschäden und zahlreiche Verletzte zum Maifeiertag, als könne es gar nicht anders sein. Doch dann fingen die Christen in Berlin (und andernorts) an, gezielt zu beten und zu handeln.
Vieles wurde möglich, was wir uns kaum vorgestellt hatten: Am 1. Mai 2004 gab es den ersten Open-Air-Gottesdienst als Auftakt der Maifeierlichkeiten, 2005 wurde dieser erneut durchgeführt. Aus den ernüchternden Erfahrungen von 2003 entstanden kreative Modelle des Gebets auf den Straßen und in Räumen an den Brennpunkten der Gewalt. 2004 war schon eine deutliche Besserung der Lage sichtbar, und nach dem 1. Mai 2005 meldeten die Medien dann den “friedlichsten 1. Mai seit 20 Jahren”. Das “Ritual der Gewalt”, so die Presse, “ist gebrochen.” Es gab keine nennenswerten Verletzungen und nur einen einzigen Sachschaden, ein weit vom MyFest entfernt umgestürztes Auto. Neben diesen Tatsachen, die durch die Presse gingen, berichteten die Gebetsteams, die vor Ort unterwegs waren, über zahlreiche unmittelbar sichtbare Gebetserhörungen bei brenzligen Situationen. Die Polizeitaktik (es wurde gezielt dafür und für den verantwortlichen Senator Körting gebetet) wurde – entsprechend der Berufung Berlins – zum Exportartikel: Verantwortliche aus Tschechien und Frankreich kamen, um von Berlin zu lernen. Auch 2006 ging die Gewalt am 1. Mai wiederum bis auf wenige Reste zurück.
Das öffentliche Auftreten von rechtsradikalen Gruppierungen und die Gefahr von Anschlägen durch rechte Extremisten war wiederholt Thema des Gebetsbriefes.
Immer wieder kamen geplante Veranstaltungen und Umzüge der Neonazis nicht zustande, gleichzeitig wuchs in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bedrohung unserer Gesellschaft von rechts. Die deutlichste Gebetserhörung war zweifellos am 8. Mai 2005 in Presse, Funk und Fernsehen zu beobachten: Die rechtsradikale Demonstration anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes fand nicht statt. Die angereisten Demonstranten blieben stundenlang am Ausgangspunkt des geplanten Umzuges stecken und reisten schließlich unverrichteter Dinge wieder ab, weil Tausende von Berlinern friedlich die umliegenden Straßen blockierten. Es kam zu keinerlei gewalttätigen Auseinandersetzen, da die Berliner Polizei mit Umsicht und Vernunft handelte.
Auch dies hat Berlin mittlerweile exportiert: Im November 2005 reagierten die Bewohner einer Brandenburgischen Stadt in gleicher Weise und verhinderten so einen Aufzug der Neonazis in ihrer Stadt.
Anliegen: Auch die Bedrohung durch islamistischen Terror und die Ausbreitung des Islam in der Berliner Gesellschaft war mehrmals Anlass zum Gebet. In Kreuzberg wurde beispielsweise am Kottbusser Tor der Neubau einer weiteren Moschee geplant. Die Gegend um das Kottbusser Tor wurde im Gebetsbrief als besonderes Gebetsanliegen genannt.
Erhörungen: Berlin ist von Terroranschlägen bewahrt geblieben. Ein geplanter Anschlag auf den Irakischen Präsidenten konnte rechtzeitig aufgedeckt und verhindert werden. Die Fertigstellung und Eröffnung des Holocaust-Mahnmales verliefen ohne Zwischenfälle und Störungen. Die Baustelle für die Moschee am Kottbusser Tor wurde vom Senat gesperrt, als sich bei den Erdarbeiten ein benachbartes Wohnhaus um mehrere Zentimeter absenkte. Zurzeit ruhen sämtliche Arbeiten und der Standort beziehungsweise Neubau von weiteren Moscheen in der Stadt wird von der Politik neu geprüft. Der Islamistenkongress, der 2004 stattfinden sollte, wurde verhindert und die Presse ist wesentlich aufmerksamer geworden bezüglich der Gefahren aus dieser Richtung. Führende Personen aus den großen Kirchen und der Politik mahnen inzwischen eine Stärkung des christlichen Profils und eine selbstbewusstere Haltung gegenüber Moslems an.
In Kreuzberg, in der Alexandrinenstraße unweit des Kottbusser Tores, entstand im Oktober 2005 eine neue freikirchliche Gemeinde, die einen weiteren Stützpunkt des Reiches Gottes in dieser schwierigen Gegend darstellt.
3. Soziale Themen und Brennpunkte
Die Not vieler Familien in der Stadt, der Mangel bei der Grundversorgung von Kindern, war mehrfach Thema der Gebetsbriefe. Berlin hat zahlreiche Straßenkinder, die sich selbst überlassen sind und viele Familien, denen noch nicht einmal genug Essen zur Verfügung steht, um satt zu werden.
Mehrere Projekte sind begonnen worden beziehungsweise gewachsen. Es bleibt zwar noch viel Not und damit Anlass für Gebete und praktische Hilfe, aber einiges hat sich schon getan: Der Soldiner Kiez (ein sehr verarmter Stadtteil) wird durch einen christlichen Kinderclub bereichert, in dem die Kinder neben der praktischen Hilfe bei den dringendsten sozialen Problemen auch das Wort Gottes in ansprechender Form finden. Ein Projekt “Straßenkinder” wurde auf den Weg gebracht. Es will dazu beitragen, die heimatlosen Kinder aufzusammeln und ihnen mit materieller und geistlicher Nahrung zu helfen. Auch die unter dem Dach von Gemeinsam für Berlin gegründete Freiwilligenagentur hat sich gut entwickelt und trägt zur Linderung der Not bei. Diese erste christliche Agentur dieser Art in Deutschland bekommt seit Kurzem öffentliche Unterstützung durch die Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsident Thierse.
Das Sozialticket, mit dem Bedürftige zu einem günstigen Preis den öffentlichen Nahverkehr nutzen konnten, wurde Anfang 2004 im Zuge der Sparmaßnahmen abgeschafft. Unser Gebetsanliegen war eine Umkehr dieser für viele arme Menschen schädlichen Entscheidung.
Das Sozialticket wurde wieder eingeführt.
Immer wieder war die Lage des christlichen Kinderhilfswerkes Arche in Berlin Hellersdorf schwierig, mitunter drohten ernsthafte finanzielle Probleme – doch jedes Mal zeigte Gottes Hilfe, dass diese Hilfe für die Not leidenden Kinder unter seinem besonderen Segen steht. Mehrfach kam die Hilfe sehr wirkungsvoll von säkularer Seite, das Fernsehen und andere Medien setzten sich vehement für die Arche ein, wenn der politische Wind dem Werk entgegen blies. Heute ist die expandierende Arbeit der Arche sicherlich das am meisten in den Medien präsente christliche Sozialprojekt.
4. Gemeinde und Gebet
Das Forum Gebet ist Ende 2002 unter anderem mit dem Ziel gegründet worden, das Gebet in der Stadt und für die Stadt zu fördern.
Die Aktion 50 Tage Gebet für Berlin (2003) wurde von über 2.000 Betern aufgegriffen und durchgeführt. Dieser Impuls führte 2004 zur Aktion 40 Tage Gebet und Fasten für Deutschland, die 2005 und 2006 wiederholt wurde. Tausende Christen machten sich eins in den täglichen Gebetsanliegen, die in Gebetsheften verteilt worden waren. Es sind neue Gebetsinitiativen entstanden, bestehende sind gewachsen. Der Gebetsbrief findet in Deutsch und Englisch immer größere Verbreitung, im Dezember 2006 waren es es über 400 Abonnenten. Etliche dieser Empfänger drucken und kopieren den Gebetsbrief dann in großen Stückzahlen für ihre Gemeinden und Gruppen.
Beim 1. Ökumenischen Kirchentag war geplant, während der gesamten Dauer, 3 mal 24 Stunden, begleitendes Non-Stop-Gebet durchzuführen.
Die 72 Stunden wurden mit Gebet gefüllt, die Teilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Kirchen und Gemeinden und es gab einige geistliche Höhepunkte, zum Beispiel einen symbolischen Akt der Versöhnung zwischen evangelikalen, landeskirchlichen und Christen aus pfingstlicher Tradition. Die wachsende Einheit der Christen wurde durch die Teilnahme von katholischen Gläubigen bei Vorbereitung und Durchführung deutlich.
Der Jesus-Tag 2004 erforderte viel vorbereitendes und begleitendes Gebet, da es organisatorische Probleme seitens der Stadt Berlin gab (die Marschroute musste wegen Baustellen und Sicherheitsfragen mehrfach geändert werden) und das Wetter ausgerechnet an diesem Tag schlecht werden sollte.
Nach Polizeischätzungen etwa 40.000 Teilnehmer kamen und feierten Jesus. Das angekündigte Tiefdruckgebiet zog über die Stadt, aber die Gegend um das Brandenburger Tor blieb von den verheerenden Überschwemmungen, die andernorts in Berlin auftraten, verschont. Es war ein “Loch im Himmel” zu sehen, die Unwetter zogen buchstäblich links und rechts am Jesus-Tag vorbei. Der Gebets-Marsch konnte durch einige Wunder Gottes mit der vorgesehenen Beschallung (zum Teil waren die technischen Lösungen erst wenige Stunden alt) stattfinden. Die “Wege in die Stadt” erreichten viele Menschen mit dem Evangelium, die keine Jesus-Tag-Besucher waren. Die Presse- und Fernsehberichte waren überwiegend positiv und ausgesprochen fair.
Die Einheit der Christen war uns von Anfang an ein wichtiges Anliegen und ist es auch weiter. Immer wieder baten wir um Fürbitte, damit Gräben zugeschüttet und Mauern niedergerissen werden können und – nach Johannes 17 – die Welt an unserer Einheit erkennt, dass Jesus der Retter ist.
An vielen Stellen in Berlin ist zu sehen, wie die Einheit stärker wird. Vom 72-Stunden-Gebet beim Kirchentag, das Christen aus katholischen, evangelischen, evangelikalen, charismatischen, pfingstlichen, freien, neuen und traditionellen Gemeinden zusammen vorbereiteten und durchführten bis zu den Open-Air-Gottesdienst seit 2004 am 1. Mai in Kreuzberg, vom regelmäßigen Stadt-Gebets-Gottesdienst seit 2002, der 2005 erstmals in einer katholischen Kirche stattfinden konnte, bis zu den Foren und Arbeitsgruppen bei Gemeinsam für Berlin nimmt Misstrauen ab und wächst Vertrauen – trotz und ohne Aufgabe der Verschiedenartigkeit unserer Frömmigkeitsstile und Traditionen. Symptomatisch: Die Organisatoren des MyFest 2005 sagten schon “die Christen”, anstatt von einzelnen Kirchen oder Denominationen zu sprechen.
Ein ermutigendes Zeichen der wachsenden Einheit: Die Auftakt-Veranstaltung zur Allianz-Gebetswoche 2007 wird im Bezirk Reinickendorf erstmals in einer charismatisch-freikirchlichen Gemeinde stattfinden, im neuen Gemeindezentrum der Gemeinde auf dem Weg, die im Herbst 2006 dort eingezogen ist.
Im November 2005 machten sich christliche Leiter und Fürbitter aus 42 Ländern und einer großen Bandbreite con Konfessionen, Gemeindezugehörigkeiten und Frömmigkeitsprägungen auf den Weg nach Berlin zur Versöhnungskonferenz Europa-Afrika. Von Berlin war 1885 als Ausdruck der unseligen europäischen Kolonialpolitik die willkürliche Grenzziehung ausgegangen, die unendlich viel Leid und Elend in Afrika verursachte und nun erfolgte endlich, 120 Jahre später, die längst überfällige geistliche Aufarbeitung der historischen Schuld und ihrer Folgen. Dies war ein Ereignis, das weit über unsere Stadt hinaus Bedeutung hatte – und es war ein Signal der Einheit der Christen und der Berufung Berlins: Von dieser Stadt fließt Segen, Heilung und Gutes in das Land und in die Welt – Berlin wird nicht mehr zum Fluch für andere Völker werden.
Es geht weiter…
Dies sind nur Schlaglichter, keine umfassende oder gar vollständige Darstellung. Wir hoffen aber, dass die Beterinnen und Fürbitter aus diesen konkreten Veränderungen im Vertrauen bestärkt werden, dass Gebet wirkt.